Einsortiert unter: Allgemein | Schlagwörter: bevölkerungszahlen, gewaltverbrechen, hartzIV, sozialwohnungen, stadtteilkarte, statistikamt
Eigentlich wollte ich rückwirkend einen Eintrag zum Thema Wohnunssuche schreiben. Diese Retrospektive muss aber noch warten. Denn bei der Suche nach besonders nützlichen und besonders nutzlosen Links, die mich während der Wohnungsodyssee begleitet haben, bin ich wieder auf mein altes Problem von damals gestoßen:
ES EXISTIERT KEINE VERNÜNFTIGE STADTTEILKARTE HAMBURGS!
Und bevor jetzt jeder seinen eigenen kleinen Link rauskramt definiere ich erst mal „vernünftig“. Vernünftig wäre eine Stadtteilkarte Hamburgs nämlich erst, wenn sie nicht nur alle Stadtteile zeigen würde, sondern – und jetzt kommt’s – auch Straßen drin zu erkennen wären! Ohne letztere bringt sie einem Neu-Zugezogenen nämlich herzlich wenig.
Und google hat sowas nicht? Nö. Google hat sowas nicht. Da kann man zwar toll drauf sehen, wie die Stadtteile heißen und deren Mittelpunkt erahnen, wenn man ihn googelt, aber mehr auch nicht. So wie hier, der Mittelpunkt Altonas auf dem Grund der Elbe.

copywright: http://maps.google.de/
Recht weit verbreitet im Netz ist diese Stadtteilkarte (hier bei pro-wohnen.de),
mal besonders sinnlos ohne anklicken (Stadtteilkarte bei hamburg.de) und mal mit – so genau erahnen, wohin einen der Link führt, kann man selten. Im Fall von pro-wohnen zu einer Beschreibung der Stadtteile.
Und überhaupt: „Stadtteile“, die dann zufällig immernoch genauso heißen, wie die Bezirke. Bis man das mal raushat, dass „Altona“ nicht gleich „Altona“ und „Eimsbüttel“ schon gleich gar nicht gleich „Eimsbüttel“ ist, ist man eine ganze Weile auf wikipedia beschäftigt. Eine Übersicht der 5 Bezirke und aller ihrer Stadtteile gibt es auf hamburg.de/stadtteile.
Diese haben sich letztes Jahr zu allem Übel auch noch verändert. Beim Spaziergang durch Schanze und Karoviertel und einer kleinen spontanen Befragung von Anwohnern und Ladenbesitzern, wussten selbst diese teils nicht richtig, zu wem oder was sie denn nun eigentlich gehörten. Der kleinste Stadtteil der Welt sorgt jedenfalls für Diskussionsstoff.
Eine ganz, ganz großartige Karte hat die Stadt Hamburg auf ihren Seiten veröffentlicht:
nennt sich „Stadtteil Profile 2005″ und im Browserfenster steht dann allen ernstes „Aktuelle Informationen„. Auf der Seite jedenfalls funktioniert kein einziger Link richtig, aber das ist vielleicht auch Absicht, schließlich wird für Kartenmaterial geworben, das man
„Als Datei im Excel-Format kostet die Publikation 42,- EUR, als CD-ROM insgesamt 47,- EUR. Die Druckfassung hat 270 Seiten und kann zum Preis von 21,- EUR bezogen werden.“
bestellen kann. Großartig. Beim Klick auf die Karte passiert immerhin was: Bevölkerungszahlen St. Pauli 2004.
Ähnliches Kartenmaterial wird auch hier nochmal feilgeboten: Karten-CD-Hamburg. Die bürokratische Preisliste als pdf kapiert allerdings kein Mensch. Und ein Auszug aus der Beschreibung klingt irgendwie… süß:
„Um eine Hamburger Adresse in der Karte zu finden, ist das Suchregister besonders praktisch: Sie brauchen bloß den Straßennamen und die Hausnummer einzugeben – mit einem einzigen Klick wird Ihnen die Adresse auf wenige Meter genau – durch einen roten Kreis markiert – angezeigt. Angezeigt wird ebenfalls die dazugehörige Postleitzahl.“
Na? Na? An wen erinnert uns das?
Nützliche Informationen ganz anderer Art erhält man beim Statistik-Amt-Nord. Auf dieser überaus hässlichen, unattraktiven Seite, kann man sich mit wenigen Klicks so allerlei Randgruppenwissen über die einzelnen Stadtteile zusammen klicken. So habe ich eben herausgefunden, dass „2006 im Bezirk Altona 9235 Hartz IV Empfänger“ zu finden waren.

Angeführt wird das Auswahlmenü, das neben „Straftaten“, „Sozialwohnungen“ und „Schill-Wählern“ auch so nette Infos wie „Ältere Arbeitslose“, „Kindertagesstätten“ und „Gewaltverbrechen“ beihaltet, natürlich – wie kann es anders sein – vom „Ausländeranteil“. Fängt halt mit A an, kann man auch nichts machen. Mir persönlich fehlt: R wie „rechtsradikal“, F wie „fundamentalistisch / christlich“, K wie „KopftuchträgerInnen“ (<– politisch korrekt in beidseitiger Geschlechtsschreibung), P wie „Prostituierte“ und B wie „Behinderte“. Alles in allem ein praktisches Tool, um sich den Stadtteil nach all diesen relevanten Gesichtspunkten aussuchen zu können.
Wer jetzt denkt, ich sei schon am Ende des Netzes angelangt, der hat sich allerdings zu früh gefreut. Auch wenn ich 2009 so viele schöne Internetseiten wie noch nie zuvor entdeckt habe, reißt auch der Strom an virtuellen Grauslichkeiten nicht ab. Und er macht auch vor den Toren Hamburgs nicht halt.
Eine wunderschöne, anmutige Karte Hamburgs von hot-maps.de:
Ein excellent vorgestellter, virtueller Stadtrundgang des Fachbereichs Mathematik der Uni Hamburg:
Und ein dekorativer Stadplan mit enormer Usability von ccv.de:
Ebenfalls einen Klick wert ist die Hamburger Kartenseite des Abendblatts, die mit hervorragender Funktionalität überzeugen kann:
Das Abendblatt punktet aber nicht nur damit, sondern auch mit einem „Jugendgewalt-Kriminalitätsatlas„:
Die BILD holt auf mit einer Übersicht der HartzIV-Empfänger:
Die ZEIT kontert folgendermaßen:
Und NDR-online meldet über Schäuble Folgendes zur Stadtteildebatte in Hamburg:
Besonderes Schmankerl: die Seite PennerGame.info. Ein ganzes Weilchen hab ich gebraucht, um herauszufinden, ob es sich hier um einen makabren Scherz oder eine provokative Idee mit Potenzial handelt. Es ist aber irgendwie keines von beidem, sondern nur ein Spiel, das meiner Meinung nach die Grenzen überschreitet.
Und auch hier findet sich natürlich keine vernünftige Stadtteilkarte. Nach der suche ich also weiterhin. Google kommt dem Ganzen wie immer am nähsten und hat jetzt auch google.maps mit Öffentlichen Verkehrsmitteln. Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.
Ob es wohl so schwer ist, eine solche Karte zu produzieren?
Braucht die außer mir denn niemand?
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Doch. Hier drüben. Will auch eine haben!
Auch als gebürtiger Hamburger könnte ich die gut gebrauchen.
Just am selbigen Freitag sitze ich ich in der BS am PC und will für eine Präsentation eine simple Stadtteilkarte von Hamburg (inkl. Hauptstraßen) bei Googles praktischer Bildersuche finden.
Pustekuchen.
Nach einer halben Stunde (gefühlte 3) gebe ich auf und begnüge mich mit der Karte von „pro-wohnen.de“.
Vielleicht gibt es ja „offline“ eine Karte. Stichwort FALK & Co.
Cosmo
Kommentar von Cosmo 24. Januar 2009 @ 15:48Marktlücke: Falk einscannen.
Auch bei Falk-Online jedenfalls, sind keine Grenzen eingezeichnet. Wenn Du eine finden solltest, gib Bescheid!
Kommentar von Qu 3. Februar 2009 @ 17:34Frage mal direkt bei bei LGV oder den Statistikern an – gibt es alles – aber selten for free.
Kommentar von lightware 5. Februar 2009 @ 05:46http://www.statistik-nord.de/fileadmin/download/Stadtteil_Profile/atlas.html
also es gab mal diese serie vom abendblatt „hamburg lesenswert“, da waren dann die grenzen der einzelnen stadtteile abgebildet. diese serie inkl. karten existiert online und ist hier zu finden (allerdings noch mit alten sternschanzen-grenzen) ansonsten sehr m.e. sehr brauchbar:
Kommentar von forza1910 11. Februar 2009 @ 13:29http://www.abendblatt.de/daten/2007/07/17/771950.html
hm. danke. aber die haben ja auch keine straßen. unter der lupe sieht das dann so aus http://www.abendblatt.de/static/lebenswert/karten/eimsbuettel.html aber wirklich „brauchbar“ ist das auch nicht, finde ich.
Kommentar von Qu 11. Februar 2009 @ 15:06eimsbüttel lässt sich komischerweise nicht richtig vergrößern – andere stadtteile sind da besser, zwar nicht mit allen straßennamen, aber man bekommt mehr als eine idee, wo die grenzen letztlich verlaufen. hier z.b. ottensen:
Kommentar von forza1910 11. Februar 2009 @ 16:39http://www.abendblatt.de/static/lebenswert/karten/ottensen.html
ah ok. Ja, die ist besser. Danke für den Hinweis.
Kommentar von Qu 11. Februar 2009 @ 22:20[...] zu lesen ist. Doch ihr Blick für die Details offenbaren sich in so grandiosen Posts wie dem zur fehlenden Stadtteilkarte Hamburgs. Ihr Humor gefällt mir ebenso gut, vor allem, wenn er sich eher in so Kleinigkeiten offenbart, die [...]
Pingback von Ein Herz für Blogs: Kixkas Vorschläge « Kixkalogic 21. April 2009 @ 00:10Ich brauche auch unbedingt so eine Karte. Zum Einen interessiere ich mich schon seit 10 Jahren in welchem Stadtteil ich letztlich wohne (Lokstedt oder Eimsbüttel???), zum Anderen brauche ich diese jetzt dringend für die Schule. Ich soll meinen Stadtteil vorstellen, weiß aber nicht was genau dazugehört.
Kommentar von TheTodd 25. Mai 2009 @ 21:42Ja, watt denn nun?
Ich dachte, Du würdest uns am Ende DIE Lösung präsentieren!!
Hättest sie irgendwo gefunden, oder gar selbstgebaut.
ABER?
NIX DA!
Pustekuchen!
Muß ich dann wohl weitersuchen…
Kommentar von Oberchecker 20. Juli 2009 @ 15:36
Ja, ich weiß. Ich wünschte auch, es gäbe DIE Lösung…
Kommentar von Qu 21. Juli 2009 @ 13:34Ich hab die Lösung! Der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung hat mir auf eine Mail folgende Antwort geschickt: Informationen aus dem Straßen- und Gebietsverzeichnis der Freien und Hansestadt Hamburg erhalten Sie beim Statistikamt Nord (www.statistikamt-nord.de). Dort können Sie ein entsprechendes PDF-Dokument (http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/SGV_Hamburg_2008_01.pdf) herunterladen.
Kommentar von Sophie 30. Juli 2009 @ 10:19Die Lösung? hm. Also ich hab in diesem pdf keine einzige eingezeichnete Straße gesehen. Darum löst die Karte mein Problem zumindest überhaupt gar nicht. Aber trotzdem danke für den Versuch.
Kommentar von Qu 30. Juli 2009 @ 12:52Nein, da sind keine Straßen eingezeichnet – es ist einer Liste von so vielen Straßen, dass ich behaupten würde, es wären alle Straßen Hamburgs, die mit Postleitzahl und zugehörigem Stadtteil eingezeichnet sind. Und anhand dieser Liste lässt sich zumindest im Kleinen leicht herausfinden, wo die Stadtteile enden.
Kommentar von Sophie 31. Juli 2009 @ 17:19Hallo!
Schon mal mit der ÖPNV-Karte der Openstreetmap probiert? Da sind zwar auch keine stadtteilgrenzen drin, aber man kann gut erkennen wo welche Linien wirklich lang fahren. M.E. besser als bei google…
Kommentar von Frank 24. August 2009 @ 12:36Ciao
@frank super seite! danke für den hinweis. auf die stadtteilgrenzen wart’ ich einfach weiter
Kommentar von Qu 24. August 2009 @ 22:01Moin moin! In der OSM sind die Grenzen eigentlich auch enthalten, es gibt aber noch kein Rendering, was die auch so prominent darstellt. Ich habe die Stadteilkarte der Wikipedia mal also Overlay genutzt. Für meine Zwecke reicht das (Orientierung). Leider stimmen die Grenzen nirgendwo so ganz richtig überein.
Kommentar von Frank 29. August 2009 @ 17:08Wow. Ja, sowas ähnliches hatte ich auch vor… Ist es OK, wenn ich den Link zu der Karte in den Blogeintrag setze?
Kommentar von Qu 30. August 2009 @ 20:25Tu, was du nicht lassen kannst
Mach dir gerne auch eine Kopie für deine Seite. Ich verschiebe gern mal was herum und dann ist dein Link defekt…
Kommentar von Frank 31. August 2009 @ 15:33Ich habe gerade noch einmal bei OpenStreetMap nachgesehen und festgestellt, dass jetzt in der Standard-Kartenansicht die Hamburger Stadtteilgrenzen dargestellt werden. Die Grenzen werden als gepunktete Linien in Lila angezeigt. Ich denke, dass das genau das ist, was wir alle suchen.
Kommentar von gka 27. Dezember 2009 @ 17:30perfekt!
http://www.openstreetmap.de/
DANKE!
Kommentar von Qu 28. Dezember 2009 @ 02:48