Quiddje


Wohnungssuche

10 Dinge, die ich an Dir hasse, Hamburg:

2. Wohnungssuche!

Assessment Center
Man könnte es in Hamburg natürlich auch „assessment center“ nennen… Erst erschwert einem die nichtvorhandene Stadtteilkarte, die Auswahl des geeigneten Stadtteils und dann stellt sich heraus, dass es in Hamburg unmöglich ist, eine Wohnung zu finden, wenn man nicht gerade ein kinderloses Paar Mitte 40 in gehobener Position ohne Haustiere ist.

Naiv & Verzweifelt
Wer durch Hamburg läuft findet an allen Ecken und Enden und vorallem an Laternenpfählen, Straßenlampen und Ampeln jene aus Verzweiflung geschriebenen Zettel – mal in Klarsichtfolie, mal laminiert, mal einfach so – die von der großen Wohnungsnot in Hamburg zeugen. Und von der Naiivität der Zettelschreiber: Da wird schon mal eine „Altbauwohnung mit Dielenboden, Balkon, frisch renoviert in Eimsbüttel oder auf Pauli“ gesucht, „2-3 Zimmer für junges Päärchen mit kommendem Nachwuchs“ für „maximal 650 Euro kalt“. „Kein Nachtspeicher“.

Nachtspeicher & Courtage
Überhaupt war „Nachtspeicher“ eines der ersten Hamburger Worte, die ich gelernt habe. Lernen musste. Zusammen mit „Hamburger Mietvertrag“, „Elternbürgschaft“ und leider – und vorallem – „Courtage“. Gegen die hilft in der Regel auch kein Zettel an der Ampel und zwar auch dann nicht, wenn dort eine großzügie Vermittlungsbelohnung  von 100 Euro oder so angeboten wird. Courtage, das sind üblicherweise zwei Monatsmieten (kalt), die man quasi zum Fenster raus wirft.

Courtage, das ist eine Gebühr, die man normalerweise an Makler entrichtet, die einem erfolgreich eine Wohnung vermittelt haben. Im Fall Hamburgs, ist es sowas wie ne Gebühr, die jeder zahlen muss, der ne Wohnung mieten darf und zwar an den Makler, der halt zufällig die Wohnung unter seinen Fittichen hatte. Dienstleistung erhält man von dem Makler keine. Man sieht ihn einmal, genau 30 Sekunden lang, wenn man, eingequetscht zwischen Mitbewerbern, an ihm vorbeigeschoben wird und er gerade – auf dem Küchenpantry sitzend – mit der Vormieterin plaudert, die ihre 25qm Erdgeschoss Wohnung in der Holstenstraße – „Ne, laut isses hier nicht, die Fenster sind echt superneu!“ – für einen Wohnungsbesichtigungsgangbang zur Verfügung gestellt hat.
Danach sieht man den Makler nie wieder. Alles weitere läuft per Mail, Fax (jaha, Fax isn’t dead!) oder Post. Der Phantommakler setzt einen noch von seiner Kontonummer in Kenntnis und das war es dann, wofür er die Kohle einstreicht.

Unfair?
Wohnungen unter 400 Euro
Studentenwohnbörse der Uni

Immonet

Immobilienscout 24
ProWohnen.de
(1 2 3)

4 Tipps:
Und natürlich meine vier ultimativen Tipps, zur schnellen Wohnungsfindung in Hamburg auf der nächsten Seite…

Wer in Hamburg (schnell) eine Wohnung finden möchte, aber weder über festen Job, noch über BWL Studiengang oder Gelfrisur verfügt, der lernt eines schnell:

1. Abstriche machen.

Diesen Quatsch hier kann man sich getrost sparen: Die Wohnungswunschliste bei pro wohnen… Mit so hohen Ansprüchen bekommt man schließlich keine neuen Angebote von immoscout per Mail zugeschickt! Und über die freut man sich nämlich irgendwann, als wären es private E-Mails…

2. Wohnungsbewerbungsmappe zusammen zu stellen.

Vor Hamburg hätte ich das für einen schlechten Scherz gehalten und auch rückblickend ist mir mein Verhalten noch unangenehm. Aber auch ich habe mich in die Reihe schleimender, devoter WohnungsbettlerInnen eingereiht, habe brav meine Eltern um eine Bürgschaft gebeten, den Kontoauszug vom Bausparvertrag aus Schwäbisch Hall angefordert und meine Kurz-Vita dazu gepackt, alles in eine kleine Mappe gestopft und mich damit bei Maklern und Maklerinnen vorgestellt. Bäh.

Nicht immer allerdings. Manchmal hab ich auch schon eine Kehrtwende gemacht, wenn ich die 50+ Leute schon von weitem in der Fruchtallee vor einem Hochhaus an ner großen Kreuzung hab stehen sehen, in dem eine Wohnung im 5. Stock – ohne Aufzug – vermietet werden sollte, von der ich – naiv – mal wieder geglaubt hatte, DIE würde bestimmt außer mir ganz bestimmt keiner wollen.
Nach einiger Zeit trifft man auch immer wieder die gleichen Leute. Man plaudert: „Na, wo warst Du schon überall?“ „Und wie lange suchst Du schon?“ oder auch „Dich kenn ich doch von der Eimsbütteler Chaussee, oder?!“

Wenn die Mitberwerber zu Freunden und die Mails von Immonet zum Lebensinhalt werden, dann ist es jedenfalls Zeit:

3. Innerlich aufzugeben.

Dann hab ich angefangen, auch Wohnungen in der Brigittenstraße oder beim Silbersack anzusehen. Ich war sogar in Winterhude im Lokstedter Weg und hab mich irgendwann dabei ertappt, bei ImmoNet auch Garagenstellplätze in meine Bookmarks zu ziehen.  Und dann hab ich irgendwann zu jeder Wohnung einfach „ja“ gesagt, und dass ich sie haben wollen würde. Einfach auch, um mal zu sehen, ob ich denn irgendeine kriegen würde. Damit ich mein kleines Reich im Wohnzimmer von Freunden vielleicht doch irgendwann auch verlassen würde können…

3 Quadratmeter Meins

3 Quadratmeter Meins

4. Glück haben.

Denn außer mir wollte wirklich keiner diese eine Wohnung haben. Die im Erdgeschoss. An dieser großen, vierspurigen Straße. Neben den S-Bahn Gleisen. Die mit der Straßenlaterne vor dem Fenster. Und dem Aufzug im Flur, der – wenn die Tür aufgeht – sich anhört, als sei er IN meine Wohnung gebaut. Die Wohnung mit ohne Waschmaschinenanschluss halt.

Mein Tisch

Mein Tisch

Aber ich bin ja anspruchslos. Und hab nichts gegen Möbel aus Karton. Und das Beste ist: Ich wohne in Hamburg! :-)


2 Kommentare bis jetzt
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Nicht verzagen, die Suche wird auch entspannter mit der Suchmaschine für Wohnungsangebote nuroa, da kann man sich das Hin- und Herspringen auf verschiedene Seiten sparen: http://www.nuroa.de.

Viel Glück in HH.

Kommentar von Kirsten

Schick. In Harburg hätte ich zum gleichen Preis also doppelt so viel Platz bekommen. Aber wer will schon nach Harburg…

Kommentar von Qu




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