Quiddje


Equal Pay Day
30. März 2009, 10:00
Einsortiert unter: in quiddje veritas | Tags: , , , ,

pics-012

Naja.

Worum es hier geht? Um den an sich ganz vernünftigen Equal-Pay-Day, dem Tag der gleichberechtigten Bezahlung von Frauen und Männern. Zu was man ihn zum Anlass nehmen kann, habe ich hier bereits erwähnt. Und nun die kleine Nachlese:

Sie sind fast da!

Sie sind fast da!

Am 20.03.2009 im Museum der Arbeit. Begrüßt und ermuntert von Schnitzeljagdwegweisern. Im Aufzug mit einer Frau, die bereits ihre rote Tasche hatte und sowas, aber wirklich sowas von begeistert war, auf welche grandiosen Ideen sie das Speedcoaching gebracht hätte. Ich war zugegeben etwas neugierig. Aber dieser unkommunikative, seriöse langweilige Herr wirkte lähmend auf unser Gespräch.

Rot rot rot sind alle meine Taschen...

Rot rot rot sind alle meine Taschen...

Ich also oben angekommen in einem Saal voller Frauen, in dem ziemlich viele rote Taschen zu sehen waren. Soweit so gut. Das Begrüßungskomittee des Veranstalters – zwei nette Frauen – wollte dann meinen Namen wissen, den ich in eine Unterschriftenliste eintrug (einen falschen natürlich). Wahrscheinlich war das wegen des Weltrekordversuchs.

Mir wurden noch eine Packung Flyer und eine rote Tasche unbekannten Inhalts in die Hand gedrückt und dann wurde ich ohne weitere Erkärung entlassen. Moment! Da war noch was! Genau: Ein Buch wollten die beiden mir noch schenken. Ob ich denn nicht ein Gratisexemplar haben wollen würde. Von… aha… Titel war sowas wie: „Erfolgreiche Manager über 45″. Nicht g.a.n.z die Zielgruppe also. Aber egal.

Tag der roten Tasche

Tag der roten Tasche

Weiter gelaufen. In einer Ecke eine Fotogafin, die Bilder der Teilnehmerinnen schoss. In der anderen Ecke das Berliner Taschenlabel „Tausche„, das den Rote-Tasche-Tag zum Anlass genommen hatte, die sehr coolen Taschen mit einem roten Extradeckel (gratis) zu verkaufen.

Die Schlange an Frauen vor mir war recht kurz (der große Ansturm um viel zu früh morgens war schon vorrüber) und so landete ich binnen kurzer Zeit bei einem „Coach“. Der war vermutlich etwas jünger als ich, mir nicht so besonders sympathisch und außerdem ziemlich… teigig. Also so jemand, dessen Handoberfläche genauso aussieht, wie seine Handinnenfläche und der einem so einen laschen Händedruck gibt. Kein ganzer Kerl und auch keine toughe Frau also für mich als Coach. Oke.

Zu Tisch gebeten

Zu Tisch gebeten

So saßen wir uns dann gegenüber und er blickte mich erwartungsvoll an. Mein hypothetisches Problem (man wird zuvor schriftlich instruiert, sich eine Frage zu überlegen, die man stellen möchte) hat ihn offensichtlich nicht vom Hocker gehauen. Er ersann keine Lösungsansätze, nahm aber auch meinen Affen (Problem) überhaupt nicht entgegen, sondern fing immer wieder an MIR Fragen zu stellen. Ich weiß auch nicht, wenn das Coachen ist, dann brauch ich, glaub ich, keinen Coach. Vielleicht bin ich aber einfach an einen falschen geraten. In Hamburg gibt es um die 40 Coaches. Bzw. solche, die sich so nennen. Unzählige andere nennen sich wahrscheinlich „Lebensberater“, „Astrologe“ oder vielleicht auch „Eso-Schlampe“. Was weiß ich.

Jedenfalls kam ich mir total dämlich dabei vor. Meine einfachen Fragen mit simplen Lösungen selbst zu beantworten. Vielleicht lag’s einfach am mangelnden Speed, beim Speedcoaching.

Reden mit Speedy Coachalez (höhö)

Reden mit Speedy Coachalez (höhö)

Oder daran, dass ich auch beim Yoga nicht entspannen kann. Oder daran, dass ich mehr ne Unternehmensberatung erwartet hatte, als einen teigigen Typen mit DEUTLICH weniger Lebenserfahrung, der sich alle Scheinantworten mit Fragezeichen am Ende aus seiner Stupsnase ziehen ließ.

Ich war jedenfalls schon etwas enttäuscht. Der PR-Gag war halt letztenendes nur ein PR-Gag. Und das wurde mir allerspätestens bewusst, als ich abends beim Bier mit der Freundin in der roten Tasche kruschdelde und diesen Tageskalender zwischen Gratiskugelschreiber und Notizblock entdeckte. Ein Kalender, wie er schlimmer nicht sein könnte. Mit Binsenweisheiten für naive Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen. Die sich besser fühlen, wenn ihnen eine Sabine Aragorn in den Tag hilft mit einem „frechen“ Spruch ala: „Blicke immer in die Sonne, dann fällt der Schatten hinter Dich.“ Oder auch die altbackenere Variante mit: „Strahle wie eine fröhliche Sonnenblume, sonst wirkst Du, wie eine angestaubte Stoffblume“ oder so ähnlich…

dsc_5250

Da half es dann auch nicht mehr, die roten Zeichen von der Parkbankwerbefläche herabschimmern zu sehen und an den wahren Grund (die Gleichberechtigung) des Equal-Pay-Days zu glauben. Was das anbelangt hab ich als erste Assoziation jetzt nur noch angestaubte kalendersprüche im Kopf. Leider.


Hinterlasse einen Kommentar bis jetzt
Hinterlasse einen Kommentar



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Melde Dich bitte bei WordPress.com an, um einen Kommentar auf deinem Blog zu schreiben.

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s



Follow

Get every new post delivered to your Inbox.