Einsortiert unter: Allgemein | Tags: appenzeller, bratwurst, düsenjäger, fliegerstaffel, flugshow, hafengeburtstag, hafengeburtstag 2010, hocketse, käsekugel, kreuzer, kriegsschiff, landungsbrücken, open ship, patrouille suisse, riesenrad, schweiz, tiefflieger, volksfest, yacht, zuckerwatte

Hafengeburtstag Hamburg
Das war er also. Mein erster Hafengeburtstag.
Und mein Resumée handelt von aufblasbaren Käsekugeln, Schmalzgebäck, Aids-Schleifchen und den Kindheitsschrecken der 80er. Viel Spaß.
Yppieh!
Endlich wieder Schmalzgebäck! Und Bratwürste! Und Pommes! Und Zuckerwatte! So weit das Auge reicht.
Dazu ein kruder Musikmix aus Modern Talking, Las Ketchup und der Deutschen Nationalhymne. Eine Flüstertüte im Megasound, massenweise ältere Herrschaften und kaum ein Durchkommen an den Landungsbrücken.
Jaja, ich schließe mich dem allgemeinen Tenor an, dass es sich beim Hafengeburtstag hauptsächlich um ein schnödes Volksfest mit nur vermeintlich maritimem Bezug handelt.
Zum Glück aber, gab es dieses Jahr die Schweizer.

Chäs
Und wer hat’s erfunden?
Aus dem unbedarften Käse-Schokoladen-Staat waren sie angereist, um als selbsternannte „Landratten“ die Menge aufzumischen. Im Gepäck: RIESIGE Räder Appenzeller, echtes Lindt-Praliné, eine Begrüßungsrede, die sich gewaschen hatte („Wirrr ge-chhören ja ni-chht ainmaal zurrr E. U.“) und … und… und…
AUFBLASBARE KÄSEKUGELN – der Traum aller Norddeutschen.
Da gab es kein Halten mehr, da wurde gezofft und gestritten um diese Dinger und die Käsekugeln wurden im Akkord mit Luft befüllt. Ich habe das Ganze nur aus der Ferne beobachte, aus Angst, dass aus dem Appenzellerriesenrad irgendwann keine Käsekugeln mehr herauskommen würden und die Hamburger, in schlimme Panik versetzt, das Gelände und mich mit, niedertrampeln könnten. (Ich frage mich ja wirklich, was all diese Menschen mit den aufblasbaren Käsekugeln vorhaben? Sitzkissen? Wasserball? Mobilé? Was macht man nur mit so nem Scheiss? Wozu will man so etwas besitzen??)
Viel entspannter war es doch, den weltbesten Rüblikuchen bei den fein herausgeputzten Schweizer Vereinen zu verspeißen.
Ein Gedicht!

Rüblikuchen
„Darum schickte ein General….
ne Fliegerstaffel hinterher…“
Etwas Kontroverse hatten die Schweizer bei allem nachgesagten Diplomatieharmoniebedürfnis aber auch in ihrem Rücksäckel: Beim ersten Mal dachte ich, es sei ein Gewitter. Dann kam die Erinnerung zurück an die einzigen Kindheitsschrecken meiner Generation: Tiefflieger. Kampfjets. Düsenjäger.
Ich bin normal überhaupt nicht zimperlich, was sowas angeht, aber es ist schon faszinierend, wie tief solche Schrecksekunden offenbar sitzen und wie schnell man sich wieder im Garten fühlt, die Hände an den Ohren, das Herzchen klopft und man will rufen: „Achtung! Düsenjäger!“ Und so lautlos wie sie näherkamen, so krachend verabschieden sie sich beim Bruch durch die Schallmauer.
20 Jahre ist das jetzt her, aber ich wette, dass diese Flugshow nicht nur mir irgendwie unbehaglich war. Und ich denk dabei nicht mal an Rammstein, sondern einfach nur, dass ich es nicht nachvollziehen kann, wie man ein friedliches Volksfest mit dem beängstigenden Donnern von Kampfjets musikalisch untermalen möchte. In der irren Annahme, dass das für alle Beteiligten spaßig ist. Und dass das alles auch noch ausgerechnet am 8. Mai stattfinden muss hat dann irgendwie tatsächlich etwas fast morbides. Auch wenn es natürlich verdammt cool aussieht.
Hamburg wird sicher noch eine Weile darüber sprechen.

In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken!
Make love, not war.
Besser gefallen hat mir da der Stand, an dem es die Aidsschleifchen zu kaufen gab. „In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken.“ Passt auch besser zum Muttertag, der ja auch noch an diesem Sonntag war.
Die oben erwähnten aufblasbaren Käsekugeln fanden im Gegesatz zu den AIDS-Schleifchen einen reißenden Absatz. Für die Schleifchen musste ich nicht Schlange stehen. Werde jetzt der AIDS-Hilfe mal schreiben und ihnen den Tipp geben, die Dinger gratis und in aufblasbar zu verteilen. Alternativ reichen wahrscheinlich auch aufgeblasene Gummis: Die Masse scheint bei Gratis-Give-Aways nicht mehr zu hinterfragen.

Star of Berlin
„Fass aufmachen“
Da hat das einer mal schön zusammengefasst, was mir auch schon aufgefallen ist:
Wenn man hier Hafengeburtstag feiert oder ein großes Schiff nach Hamburg kommt, dann drehen sie alle durch.
Ne, beurteilen, ob das in Berlin nicht so ist, kann ich nicht. Aber ich stimme dem zu, dass es schon auffällig hamburgerisch ist, dieses ganze Gefeiere und Gefeste so demaßen zu hypen.
Da saß ich heute Nachmittag in Finkenwerder am Alten Elbtunnel Ausgang und hab rübergeschaut auf die Menschenmassen, die da an den Balustraden der Landungsbrücken standen und glotzten. Und ich hab mich gefragt, was es eigentlich Spektakuläres zu sehen gibt, außer ein paar Schiffchen und Booten, die scheinbar ziel- und planlos und aus reinem Selbstzweck (gesehen werden) im Hafenbecken herumschippern. Ok, Schiffe können ganz nett sein, aber … hallo…?
Der Hafengeburtstag, so beschließe ich, ist nichts anderes, als ein schwäbisches Hocketse in Gnadental oder Windischenbach. Nur halt größer.

Arrrrrrg
Nächstes Jahr vermutlich ohne mich.
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[...] zum nächsten Jahr auf dem Hamburger Hafengeburtstag 2010, bzw. bis zum Alstervergnügen auf der Innenalster in der Hamburger [...]
Pingback von Hamburgs Hafengeburtstag 2009 « buch-billig-kaufen Blog - Der Blog zu Bücher und vielen anderen Themen 13. Mai 2009 @ 17:44