Einsortiert unter: Allgemein | Tags: 1962, bookcrossing, buch, dorian gray, freiheit den büchern, goldenes buch, guerilla, hamburger buchguerilla, isbn, Kirk Douglas, kishon, lieblingsbuch, oscar wilde, pilates, Spartacus

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FREIHEIT DEN BÜCHERN!
McDonalds Innenstadt. Ich muss pinkeln. Drinnen: Reges Treiben, Unübersichtlichkeit, unangenehme Vibrations. Mein Blick durchquert den Laden auf der Suche nach dem Eingang zur Toilette. Und hält … da wo es die Strohhalme gibt. Was liegt denn da? Ein Buch?? [Go hunting! Über 2000 freigelassene Bücher in Hamburg!]
Klappentext: „Ich bin kein vergessenes oder weggeworfenes Buch, sondern man hat mich aus dem Regal berfreit, damit Du mich lesen kannst!“
Aha. Interessant. Ich schaue mich um. Niemand kuckt. Ich stecke das Buch ein. (Auch weil es mich so an die süßen Kleinen Preise erinnert – gibt es das noch irgendwo, dass die beim MouseOver anfangen zu kichern?) Und verschwinde.
„Liebe Buchfinderin, dieses Buch wurde von einer Gruppe Hamburger Schülerinnen, die sich die Hamburger Buchguerilla zum Vorbild genommen haben, aus dem Regal befreit, um Dir Freude zu machen!“
Wie geil ist das denn? Es handelt sich um Howard Fast’s SPARTACUS. Ein Buch, das ich schon immer mal nicht lesen wollte. Die Auflage von 1962, mit Bilder aus dem Spartacus-Film von 1960 mit Kirk Douglas.
Ich schaue mich um und vergrabe meine Nase tief zwischen den Seiten, um des Buches ureigensten Geruch… ah, es riecht nach:
Nebenzahls Vermächtnis

Arche Noah Touristenmuseum
Doch Ephraim riecht besser. 3 Jahre später verlegt als Spartacus, haftet ihm nicht nur der normale Duft einer unbenutzten Gymnasialbibliothek an. Nein, Kishon riecht leicht nach süßen Früchten. Ein wenig nach Himbeer, mehr nach Feige. Ein bisschen nach Zitronenkuchen und angenehm nach Liebe. Ob ich bereit wäre, die israelische Satire in einem McDonalds in der Innenstadt Hamburgs liegen zu lassen? Wohl kaum. Wo ich ihn doch erst neulich geschenkt bekommen habe.
Vermutlich ist Spartacus zum Welttag des Buches am 23. April freigelassen worden. Mehr als 1500 Bücher wurden in Hamburg befreit! Und etliche warten nur darauf, ebenfalls freigelassen zu werden! Nur bitte, verschont das Goldene Buch der Stadt Hamburg!
Ostergeschenk

Ostergeschenk
Trennen könnte ich mich allerdings hier von. So lieb das Geschenk auch war, Tagebuch führe ich nicht. Zumindest nicht analog. Darum ist das Rosina-Wachtmeister Blanko-Exemplar geradezu prädestiniert, verschenkt zu werden. Aber soweit, dieses persönliche Geschenk einem gänzlich Fremden zu überlassen bin ich noch nicht.
Das Prinzip Bookcrossing basiert ja auf einer Kombination von Lesealtruismus und Wegwerfgesellschaft. Es soll ja Leute geben, die das geschriebene Wort so sehr respektieren, dass sie keine „angefangenen Bücher“ akzeptieren. Bis in meine early twenties war ich eine davon – seit dem lese ich nicht mehr alles.
Edna O’Brien wäre ich jedenfalls gerne los:
Gezeiten

Studienrelikte
Ich hab sie für ein Englisch-Seminar kaufen müssen. Seit 2001 steht sie ungelesen in meinem Bücherregal, hat mehrer Umzüge hinter sich und fristet ein trostloses Dasein. Sie wird die erste sein, der ich den Aufkleber verpasse, den ein Bookscrossing-Buch bekommt, wenn es frei gelassen wird. Bevor man ein Buch frei lässt, braucht es eine Book Crossing ID (BCID).
Auf der Seite bookcrossing.com kann man das Buch registrieren und eine BCID bekommen. Das hört sich wesentlich einfacher an, als es ist. Es wundert mich, dass da soviele Leute mitmachen – ich wäre eigentlich schon beim zweiten Klick wieder verschwunden, wenn mich Bücher nicht schon immer extrem interessiert hätten. Diese Seite gehört wirklich dringend überarbeitet… Es ist schade, dass es so kompliziert ist, ein Buch freizulassen!
Verschenken statt Crossen

Terry Rodgers
Wesentlich einfacher geht es, das Buch, das man verschenken möchte einfach mitten in der Wohnung eines anderen liegen zu lassen. Ohne Registrierung, ohne Jagen, ohne verstohlene Blicke. So wie ich das mit Terry Rodgers handhaben werde.
Ungeliebte Bücher loswerden

Pilates
Aber es gibt auch Bücher, mit denen man kaum jemanden begeistern kann.
„Schlank und schön mit Pilates“ dürfte eines davon sein. Im Gegesatz zu Spartacus hat es wenigstens eine ISBN Nummer und ich kann es registrieren. Die Anmeldung auf der Books-Crossers-Seite geht schnell. Vermutlich werde ich dieses Buch ebenfalls in der McDonalds-Filiale in der City freilassen – dort passt es gut hin.
Verhasste Bücher loswerden

Database
DiesemBuch würde ich zu gerne einen Widmung mit auf den Weg geben. Vielleicht gibt es ja die Rubrik: „Bücher, die man besser verbrennen sollte.“ Aber statt geißelnder Flammen, welche ich dem Buch noch nicht mal gönne, wünsche ich ihm eher, dass es den Rest seines Daseins verschmäht und ignoriert in einem Bücherregal verbringt.
Darum möchte ich auch dieses Buch freilassen und werde es auch tun, sobald ich es nicht mehr benötige.
Lieblingsbuch

Dorian Gray
Die letzte Stufe der Gelassenheit wäre es sicher, sich von einem geliebten Buch zu trennen.
In meinem Fall wäre das „Das Bildnis des Dorian Gray„. Nicht weil Oscar Wilde so beliebte Aphorismen geprägt hat, sondern weil dieses Buch einzigartig ist. Ich liebe es und ich würde es nie hergeben. Und wahrscheinlich sollte ich mich genau deshalb davon trennen, und es dieser Stadt, die ich liebe übergeben.
Ich werde darüber nachdenken.
5 Kommentare bis jetzt
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Ja das ist echt ne coole Idee mit den freien Büchern! Ich hab auch schon mal eines der freigelassenen Bücher gefunden in der U Bahn ich wollt es immer lesen – war dann aber doch zu uninteressant und habs dann einfach so weitergeschickt…
Kommentar von annaisolde 19. Mai 2009 @ 16:19Aber es ist doch so: solange wir keine rießiges Haus haben um all die schönen Bücher zu horten ist es besser sie um einen rum laufen zu lassen! Die meisten Bücher die mir gefallen haben versuche ich weiterzuschenken oder ich verleihe sie und verlange sie nicht mehr zurück. (Ausgenommen John Irving- ich will diese Figuren besitzen. auch wenn ich weiß das funktioniert nicht!)
Du hast ein Buch von der Buchguerilla Aktion gefunden? Boah, da bin ich neidisch. Ich frage mich, wo die anderen 1499 Bücher geblieben sind?! Wenn du deine Bücher in den Bookcrossing-Verwertungszyklus einschleusen willst, bieten sich die offiziellen Tauschregale an, beispielsweise im Cafe Frieda, Bernadottestraße 20. Einfach liegenlassen oder verschenken ist natürlich auch prima. Machen den Hamburgern kleine Geschenke!!
Kommentar von kichererbse01 24. Mai 2009 @ 11:08Nein, da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Das Buch wurde von „einer Gruppe Hamburger Schülerinnen und Schüler, die sich die Buchguerilla zum Vorbild genommen haben“ befreit.
Kommentar von Qu 24. Mai 2009 @ 17:46Die Schüler haben es aber leider nicht registriert und werden somit wohl nie erfahren, dass ich es gefunden habe.
he he, den Terry Rodgers hättest Du auch gerne bei mir liegen lassen können
Kommentar von Kixka Nebraska 1. Juni 2009 @ 18:32Bis jetzt liegt er ja noch nirgends. Ich persönlich finde ja: haste einen gesehen, haste alle gesehen. Wie mit den alten Meistern.
Kommentar von Qu 3. Juni 2009 @ 22:55Terry kommt zugute, dass seinen Werken sicher eine nachprüfbare Motivation zur Interpretation zugrunde liegt. Und die ist vermutlich spannend.