Einsortiert unter: hamburg,in quiddje veritas | Schlagwörter: bisexuell, csd, csd opening gala, dschungelcamp, fliegende bauten, flotter dreier für grundgesetz, gay-related item, hamburg, hamburg pride, homosexuell, justizsenator hamburg, kim fischer, lesbisch, lorielle london, olivia jones, orangeblue, polyamor, queer, ricardo m, sascha korb, schola cantorosa, schrill, schwul, tigris, Till Steffen, timm-tv, tj-wheels, transsexuell, tunten, wolfgang trepper
CSD in Hamburg

Seit meinem Geburtstag zumindest.
Homosexuellen gegenüber – besonders Männern – habe ich große Vorurteile. Im Grunde können sie tun was sie wollen – sie werden sich ihres Images bei mir nur schwerlich entledigen können. Wahrscheinlich müsste ich selbst homo sein, „in der Szene unterwegs“ oder wenigstens mit mehr Schwulen und Lesben zu tun haben, um festzustellen, dass sie gar nicht so viel vom Durchschnitt der Bevölkerung unterscheidet, wie ich annehme. Momentan – und schon immer eigentlich – bin ich nämlich der Ansicht, es handele sich bei Schwulen, Lesben, Queeren, Transsexuellen, Bisexuellen, Polyamoren (…) um eine durch Besonderheit und Liberalität auffallende Gruppe, ausgesprochen interessanter, meist im persönlichen Kontakt sehr herzlicher, freigeistiger Individuen, die von vorn herein bei mir einen Stein im Brett haben. Und ich mach sehr gern mit ihnen Party.
Ich sehe Parallelen zwischen der Schwulenbewegung und dem Feminismus. Dankbar bin ich beidem. Was wäre unser Land weniger frei ohne sie?
Für mehr Vielfalt!
CSD OPENING GALA HAMBURG
Ich war auf der CSD Opening Gala am 01.08.2009! Und wie oben bereits erwähnt, hat es mir da recht gut gefallen. Der Abend bot Kritikpunkte, zugegebenermaßen. So wäre zum Beispiel eine Klimaanlage im Zelt der Fliegenden Bauten eine schöne Sache gewesen. Oder mehr Künstler aus dem Raum Hamburg – wie Ricardo M. bemängelte. Ich hätte es auch begrüßt, nach der Gala nicht vor die Tür befördert zu werden, solange die Umbauten für die folgende Opening Party im Zelt vorgenommen wurden. Außerdem habe ich gehört, dass das Bier ausging! – Brezeln und vegetarische Wraps waren definitiv zu schnell alle.
Dennoch, ein toller Abend voller neuer Eindrücke.
Wer ist eigentlich Kim Fischer?
Kim Fischer und Sascha Korf führten als Moderationsduo durch den Abend. Kim Fischer war mir zwar namentlich ein Begriff, aber sonst weiß ich nix über sie. Daran hat auch gestern nichts geändert, aber immerhin weiß ich jetzt, dass sie sehr sympathisch ist, toll moderieren kann und einen exzellenten Geschmack hat
„Voll mit lauter Tunten“
Das Zelt der Fliegenden Bauten war tatsächlich ziemlich voll. Und der Männeranteil lag definitiv höher. Trotz recht stolzer Preise zwischen 25 und 39 Euro gab es für viele leider keine Veranlassung, sich in Schale zu werfen, was ich persönlich sehr schade fand. Der Glamourfaktor (vielleicht wäre ein Dresscode gut gewesen) hätte höher sein können und vielleicht hätte sich dann auch die großartige Olivia Jones blicken lassen, die ich schmerzlich vermisste.
Der Männerchor SCHOLA CANTOROSA brachte es mit gewohnt schwuler Selbstironie auf den Punkt; mit ihrem Lied über das „rosarote Riesenraumschiff voll mit lauter Tunten“ sangen sie sich direkt in mein Zwerchfell. Grandios.
Comedy, LifeActs & Politics
Auch wenn Sascha Korb und Kim Fischer sich wie die Vorsitzenden von Hamburg Pride (die ebenfalls zu Wort kamen) bemühten, der Veranstaltungen einen politischen Touch zu geben, konnte auch das Viererinterview mit dem Chefredakteur von Timm-TV und einem langjährigen Aktivisten aus der Berliner Szene (leider Namen vergessen, wer weiß ihn?) sowie die Ansprache des Justizsenators Hamburgs nicht darüber hinweghelfen, dass es den meisten mehr um die Party zu gehen schien.
Letzterer verhedderte sich trotz gut gemeinter und auch glaubwürdiger Ansprache auch noch in einem Nebensatz, der bestimmt noch einige Male zitiert werden wird und von „gayrelated Item in einer Designoffensive der Stadt“ handelte. Oder so ähnlich. Als „Item“ möchte man sich natürlich nur ungern von der Stadt bezeichnen lassen. Zumal, wenn diese die Forderungen von Hamburg Pride erst noch in die Tat umsetzen muss. [Originalvideo seiner Ansprache bei ZoeDelay]
Zugegeben, großartige Live-Acts wie der Kabarettist Wolfgang Trepper, der umwerfende Hulahoop-Artist Tigris und TJ-Wheels auf seiner HalfPipe waren eben auch echt sehr cool.
Im Gegensatz zu Orange-Blue (äh wer war das noch? Genau: die hier!), die wenig überzeugend wirkten, trotz – bzw. wegen – ihrer aufmerksamkeitsdefizitsyndrom-getriebenen, etwas peinlichen Darbietung, die irgendwie nicht so ganz passte. Und von denen der Frontsänger schon nach dem ersten Lied, bei dem ER nicht das Publikum in Stimmung bringen konnte, dem Publikum dafür die Schuld gab. „Bei dem Comedian wart ihr aber besser drauf“.
Ricardo M.
Kommen wir zum Schluss zu meinem persönlichen Highlight: Ricardo M. Seines Zeichens Entertainer und Moderator. Welchen ich über die Twitter-Search als twitternden Gast ausfindig gemacht hatte (twitter.com/RICARDO_M) und der sich glücklicherweise durch einen Namensbutton zu erkennen gab und wir uns so in ein kleines, sehr nettes Gespräch verwickeln konnten. Ricardo M. war definitiv einer der „Schrillsten“
. Und weil man das in den Medien ja so macht, immer nur die schrillen Schwulen abzubilden, damit die Stinos was zu kucken haben, mach ich das heute nicht anders:
Oh so very schrill!
Abgesehen davon war es gestern very wenig schrill. Dafür wurde zur Party danach solide Partymucke gespielt (auf die Schwulen ist diesbezüglich ja nun wirklich Verlass!) Ein Kracher nach dem anderen, die Tanzfläche binnen 3 Songs gut gefüllt, der Teil des Abends, der mich dran erinnerte, dass man auch öfter mal zur LovePop ins Kir gehen sollte, weil es da nämlich auch toll ist.
Wie der Abend endete? Mit einem herzlichen „Dir alles Gute!„. Das hat mich gefreut und ich hab es eben so herzlich zurückgegeben. An eine, die ich seit dem Dschungelcamp auch wirklich mag. (So weit man das eben von jemanden sagen kann, den man eigentlich nicht kennt…) Sie war gestern jedenfalls so witzig, höflich und sympathisch, wie ich sie mir vorgestellt hatte und der Abschiedsgruß (ich ging raus, sie saß auf der Treppe), hat mich in meinem Eindruck nur bestätigt. Lorielle London.
CSD PARADE
So. Nach dem gestrigen Abend möchte ich an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass der CSD nicht – wie auch ich davon ausging – ein Tag mit einer Straßenparade ist. Nein, es ist eine ganze Woche voller Veranstaltungen rund ums Thema. (Zum Veranstaltungskalender) Beim ein oder anderen werde ich jedenfalls versuchen dabei zu sein. Spätestens nächsten Samstag aber, werde ich ganz sicher wieder mitmischen. Beim Straßenumzug am Jungfernstieg (Video 2008 mit der großartigen Olivia Jones). Bis dann!
PS: Video Opening Party
2 Kommentare bis jetzt
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Schöner Artikel. Meiner hat ein paar Tage gebraucht..
Kommentar von zoe delay 5. August 2009 @ 16:37http://zoe-delay.de/2009/08/05/csd-opening-gala-fliegende-bauten/
Danke. Dafür hast Du auch tolle Videos
Kommentar von Qu 5. August 2009 @ 20:55