Quiddje


Klamottentauschparty Hamburg
28. Februar 2010, 19:20
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Klamottentauschparty

Herzlich willkommen zur Klamottentauschparty! Schauen Sie vorbei, schauen Sie rein, wenn tollkühne Frauen mit kleinem Geldbeutel den Frühling begrüßen. Es ist Zeit, auszumisten, aufzuräumen, anzugeben – mit dem Inhalt des eigenen Kleiderschranks. Mit dem ehemals Liebgewonnenen, dem nie Getragenen, den Dingen, derer man überdrüssig. Loswerden, was man eh nie mochte, was einem eh nie stand, wofür man sowieso immer schon viel zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß oder zu feige war.

Mädchenparty

Eine Klamottentauschparty ist was für Frauen. Sowas machen Männer nicht. Sie würden es nicht genießen, in einer 10er Gruppe in Unterwäsche Prosecco zu trinken und sich durch bergeweise Klamotten zu kämpfen. Sie verstehen auch nicht, wie befriedigend es sein kann und wie glücklich es machen kann, ein Kleidungsstück mit Sentiment an einer guten Freundin zu sehen und zu wissen, es befindet sich am richtigen Hintern.

Klamotten tauschen, das ist befreiend, das macht stark fürs Leben. So nimmt man  auch Abschied – von ungeliebten Charaktereigenschaften, Kinderbüchern, Männern. So lernen Frauen, loszulassen. („Hau weg den Scheiss!“)

Öffentliche Klamottentauschparties

Inzwischen gibt es Klamottentauschparties in Hamburg auch schon im großen Stil. Mit Fremden werden  im Fundbureau Klamotten getauscht. Man hängt sie nur noch an die Leine und schnappt sich dafür etwas anderes. Und mal wieder wird eine sinnvolle Undergroundbewegung populär. (Auch in Graz, Freiburg und bundesweit werden inzwischen Klamotten getauscht!)

Ausschussware

Das bedauerliche an den Klamottentauschparties ist der Überschuss. Der letzte Rest, der übrig bleibt – den keine haben möchte. Dabei wären gerade hier, bei unserer dritten Klamottentauschparty so wundervolle Stücke dabei gewesen:

Unser Model trägt einen kratzigen, fliederfarbenen Wollkragenpullover und dazu ein ausgeleiertes Baumwollröckchen aus dem letzten Sommerurlaub in Griechenland.

Unser Model trägt eine dunkellilane Jeans, die einen Birnenarsch macht und dazu ein zu kleines Hippie-Oberteilchen aus der Kinderabteilung.

Unser Model trägt ein hippes frecher-Aufdruck-TShirt und dazu eine dunkelblaue Jeans für Alienfrauen, Größe 28/38.

Unser Model trägt luftige, mausgraue Umstandsmode zur Alienjeans.

Unser Model trägt einen weißen Latz-Rock mit Knitterfaltensaum, der Einblicke in alles gewährt, wenn man darunter keine mausgraue Umstandsmode trägt.

Unser Model trägt die Kombination „Love Parade“ aus dem Jahr 1998 – Baumwollanteil 0%. Ein grauer Raff-Rock mit Klettverschluss und Druckknopftaschen, dazu ein raffiniert gedoppeltes, bauchfreies Transparenz-Top.

Unser Model trägt ein viel zu enges elfenbeinfarbenes Elasthantop, dazu einen beigen H&M Rock und ein bordeauxfarbenes Nicki-Jäckle mit angedeutetem Sixpack.

Unser Model trägt eine Unisexkombination aus blauer Jeans mit orangefarbenem Glitzergürtel und dazu eine wärmende Woll-Wildleder-Jacke in dezentem Créme-Weiß.

Unser Model trägt klassische, männerabwehrende Sackkleidung – eine unerotische Kombination aus Schlabber-Kord-Rock, Wildlederjacket XXL und kotzgrünem Longsleeve.

Unser Model trägt einen wundervollen Glitzerrock (mit lila Glitzer! leider nicht zu erkennen) mit einem dezenten RollWollPull-under.

Unser Model trägt ein frisches mintgrünes Sommerkleid der Marke „Mauerblümchen“, welches geschickt jegliche Körperform verbirgt.

Unser Model trägt die sexy sportive Kombination „Marry me!“ aus zu enganliegendem Kunstfaseroberteil (Kühleffekt!) mit lässiger, unschließbarer Baumwoll 3/4 Hose, Größe 34.

Unser Model trägt einen unförmigen, viel zu großen Businessrock mit einer Schlagermove-Bluse in braun-orange und dazu breite Ballerinas für Plattfüßchen.

Unser Model in der Grunge-Kombi „Nirvana“: Baggyjeans mit Schlag und zum knöpfen und dazu ein oliv-farbenes, ausgewaschenes Sweatshirt mit undefinierbarem Aufdruck.

Unser Model trägt Berliner Schick: ein dramatisch rot-schwarzes Zusammenspiel aus langer Skiunterhose, knallblauen DocMartens und einem schwarzen Blazer.

Unser Model in einem ausgebleichten, verwaschenen, hellbaluen Schlafanzug mit weißen Wölkchen.

Unser Model trägt eine luftigleichte Knöpfbluse in wildem Blumenmuster zu einem sackartigen Velourrock, der schön breite Hüften macht.

Weg damit!

All die vorgestellten, wunderschönen Kleidungsstücke – und noch einige mehr! – werden nun den ortsansässigen, kleiderweiterverwertenden Institutionen über- und dem Kreislauf zurückgegeben. :-)


5 Kommentare bis jetzt
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Pingback von Hamburg - Blog - 28 Feb 2010

Das ist wirklich der Hammer. Respekt.

Kommentar von Stolz

Hm, ich hab auch noch ein halbes Dutzend Kartons, die brav auf die Flohmarktsaison warten. (Naja, nicht die Kartons, sondern der Inhalt… ;)
Vielleicht sollte ich stattdessen auch lieber tauschen!
Vielen Dank für die Idee

Kommentar von michaela

Klamottentauschen – sehr gerne. Männertauschen – noch lieber. Hängt man den eigenen auch auf die Leine und pflückt sich dafür einen neuen? Ob es für übriggebliebene Männer auch einen Recyclingkreislauf gibt – das wäre interessant und mal eine nette Variante vom „Wichteln“.

Kommentar von kichererbse01

@kichererbse „Schrottwichteln“ nennt sich das auch…

Kommentar von Qu




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